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Geschichte

CHRONIK DES FILMTHEATERS NASTÄTTEN – VOM ROXY FILMTHEATER ZUM KINO-CENTER NASTÄTTEN

Edi Holl betrieb mit seinen Eltern einen Lebensmittel-Großhandel in Bettendorf, die Firma Wilhelm Holl und Sohn oHG. Doch da der Trend im Lebensmittelverkauf immer mehr zu großen Märkten hin ging, suchte er nach einem zweiten geschäftlichen Standbein.

Rasch entschied sich die Familie Holl, ins Kinogeschäft einzusteigen, aber die Frage war, wo sollten sie ein Kino bauen? Zu der Zeit wurde gerade ein Kino in Nastätten errichtet, doch der Kinobesitzer in Nastätten meldete Konkurs an und so konnten Holls den Rohbau des Kinos in Nastätten kaufen.

Zügig wurde der Bau fertig gestellt, aber als sie dann nach Frankfurt zu den Filmverleihern kamen, mussten sie feststellen, dass die Konkurrenz aus St. Goarshausen alle neuen Filme, die derzeit auf dem Markt waren, unter Vertrag hatten und Nastätten bekam keinen. So wurde zur Eröffnung am 19. Oktober 1956 ein alter Film gespielt.

Nach diesen Erfahrungen bat Edi Holl den Kinobesitzer aus Katzenelnbogen und Hahnstätten, Herrn Ettlich, sich bei den Filmverleihern für das Nastätter Kino einzusetzen und nach und nach wurden die Film- Staffeln zwischen St. Goarshausen und Nastätten geteilt. Die Familie Holl glaubte, sie hätte es geschafft. Das Kino lief erfolgreich weiter. Es kamen goldene Zeiten gestützt durch Kino-Ereignisse wie beispielsweise die Winnetou Filme.

Der Lebensmittelgroßhandel wurde ab 1971 abgegeben. Von nun an, konzentrierte sich alles auf das Roxy in Nastätten.

Jetzt kam die Zeit, in der es längere Laufzeiten für die Filme gab und somit kam die Überlegung, das Roxy in
zwei Säle zu unterteilen. Im Juli 1979 war es dann soweit, aus einem Saal wurden zwei. Nastätten spielte die Filme nun nicht mehr nur im Roxy, sondern auch im Cherie.

Trotz der Besucherrückgänge, bedingt durch die Fernseh- und Video-Welle, konnte sich das Kino dennoch behaupten.

1980 lernte Ralf Holl das Vorführen im elterlichen Betrieb. Von da an arbeitete er als Vorführer und verbrachte immer mehr Zeit im Kino. Über den Bereich Platzanweiser und Kassierer wuchs er gegen Ende der 80er Jahre immer mehr auch in die Disposition des Kinos hinein.

Anfang der 90er Jahre veränderte sich der Kinomarkt immer mehr dahin, dass viele Filme, wie z.B. „Der mit dem Wolf tanzt“ zu Langläufern wurden. Es wurde immer schwerer das Filmangebot zu disponieren und Neueinsätzen gerecht zu werden. Ralf Holl drängte unterstützt von Hanni Holl ein drittes Kino zu bauen. Inzwischen ging das Nachbarhaus von Frau Rück in den Besitz Holl über, welches 1992 abgerissen wurde. Dadurch entstand Platz für eine Erweiterung des Kinos und es wurde erneut gebaut.

Unten entstanden zwei Ladenlokale, in der Mitte ein Büro und darauf das 3. Kino, das Royal. Obwohl die Familie die Erweiterung gemeinsam beschlossen hatte, meinte Edi Holl noch immer: „Dass wir bauen, ist ja schön und gut, aber das 3. Kino hätten wir wirklich nicht gebraucht.“

Am 6. Juli 1993 wurde die Eröffnung gefeiert. Zwei maßgebende Disponenten (Daniela Fuchs & Jürgen Biswanger) belieferten uns zum Start und gaben dem Haus sechs Monate Bewährungszeit. Sofort nach der Eröffnung des Royals stellten sich starke Besucherzuwächse ein, so dass auch andere Verleiher das Kino- Center Nastätten gerne zum Bundesstart belieferten und dies noch heute tun.

1997 übernahm Ralf Holl die Kinos und renovierte sogleich das Roxy und das Cherie. Dieser Bau wurde ohne Architekt durchgeführt. Die Kinos wurden komplett entkernt, eines gedreht und ein neuer Vorführraum wurde zwischen den beiden Sälen eingerichtet. Die Abstufung der Säle erfolgte über eine Fertigbaufirma, die die Statik mitlieferte. Am Ende lagen die Baukosten ca. 10% unter den kalkulierten Kosten.

Es wurden weitere Innovationen eingeführt. Nach der ersten einfachen Computerkasse in den 90ern erfolgte 2003 die Installation eines TICKETKassensystems, mit dem Stammkunden von nun an auch die Möglichkeit haben, „online“ platzgenau zu buchen. Dazu kam dann eine attraktive neue Cineprog-Homepage, die das moderne Auftreten des Kino-Centers Nastätten abrundete.

2006 begann die Zeit, in der sich die jetzt anstehende technische Revolution in den Kinos weltweit andeutete. Die amerikanischen Verleiher gründeten die DCI und legten Standards fest, die ein Kinobetreiber erfüllen muss, um zukünftig Blockbuster digital in seinen Kinos zeigen zu können.

2009 war die Technik dann ausgereift und Reparaturen an den analogen Geräten wurden sinnlos. Ralf Holl überlegte nun wie sich der Filmmarkt in den nächsten Monaten und Jahren weiter entwickeln könnte. Dabei wurde klar, dass mit zunehmender Anzahl digitaler Kopien im Markt, die Kosten für analoge Kopien in der Hybridphase der Umstellung drastisch steigen müssen. Folglich werden aus wirtschaftlichen Gründen kleine Standorte immer schwerer mit analogen Kopien zu beliefern sein. Um dieser Gefahr aus dem Wege zu gehen, entschied sich Ralf Holl als bundesweit erstes Kino mit drei Sälen komplett zu digitalisieren, zusätzlich 3D anzubieten und gänzlich auf jegliche analoge Technik zu verzichten.

Ende Mai 2009 war es dann so weit. Das Kino-Center Nastätten präsentierte den ersten digitalen Film und diesen zudem in 3D. Die Resonanz bei den Besuchern war überwältigend. Das Publikum bestätigte begeistert die Aussage:
Digital 2K DLP = beste Qualität in Sachen Bild und Ton.

Die Zukunft des Kinos ist digital. Viele weitere Herausforderungen und Aufgaben werden in den nächsten Monaten und Jahren auf die Kinobranche zukommen. Den ersten Schritt in die digitale Zukunft hat das Kino- Center Nastätten bereits heute getan.