DIGITALE TECHNIK

DAS KINO IST INZWISCHEN WELTWEIT DIGITAL

Auf dieser Seite möchte ich versuchen Ihnen aufzuzeigen, welcher Wandel in den Kinos in Deutschland stattgefunden hat und wo es mit dem Kino von technischer Seite her hingehen wird.

Hier ein kurzer chronologischer Ablauf der Entwicklung und der Digitalisierung unseres Kinos:

Am 01.01.1997 übernahm ich, Ralf Holl, den elterlichen Betrieb.

Im April 1997 gestalteten wir dann die Säle ROXY und CHERIE komplett neu.
Wir steigerten bis 2002 von Jahr zu Jahr unsere Besucherzahlen, so dass wir in 2002 fast 65.000 Gäste in unseren Kinos begrüßen durften.

Dazu eine wichtige Hintergrundinformation:
Wir Kinobetreiber leihen Filme von Filmverleihgesellschaften. Die Kopien werden von den Verleihern produziert und zur Verfügung gestellt. Zu zahlen haben wir ca. 50 % pro Eintrittskarte. Da die Verleiher - und im Hintergrund somit auch die Produzenten der Filme, die Kopienkontingente alleine festlegen, werden die Kopien dann nach der vorliegenden Umsatzrangliste verteilt.

Daher war die Besucherzunahme in den Jahren 1997 bis 2002 für uns der entscheidende Faktor, dass wir von da an die meisten Filme unseren Kunden bis heute mit Bundesstart anbieten können.

Neben dem Engagement vor Ort in Nastätten bin ich filmpolitisch aktiv. Im Jahr 2003 wurde ich in den erweiterten Vorstand des Hauptverband Deutscher Filmtheater (den Hauptausschuss des HDF-Kino eV) gewählt.

Im Jahr 2005 gründeten dann die größten amerikanischen Verleihfirmen eine Vereinigung, um Richtlinien festzulegen, die das Vorführen von internationalen Blockbustern im Kino reglementieren. Diese Vereinigung nennt sich DCI. Klares Ziel der DCI: Digitale Kopien dürfen nicht ins Internet geraten.
Um dies zu verhindern stellte die DCI insgesamt ca. 100 Regeln auf, die wir Kinobetreiber einhalten müssen, um einen Film im Kino abspielen zu dürfen.

Die entstandenen Sicherheitsnormen führen dazu, dass Abspieleinheiten im Kino (Server, die fest verbunden sind mit hochauflösenden DLP-Projektoren). Kosten damals: ca. € 70.000,-- bis € 90.000,-- pro Kinosaal.

Diese DCI-Normen haben zwar enorm hohe Kosten zur Folge, aber dennoch finden sie letztlich die Zustimmung der Kinobetreiber, da wir alle das negative Beispiel der Musikindustrie vor Augen hatten und haben.

Bald war allen Beteiligten klar, dass diese Summen von ganz vielen kleinen Kinos auf dem Lande kaum zu erwirtschaften sind. Es entstanden Verhandlungsrunden mit den Verleihern, da Verleihzuschüsse und auch Zuschüsse aus Bund und Land notwendig sind, um eine Umstellung zu realisieren.

An diesen Verhandlungsrunden nahm ich von Anfang an, als Vertreter der kleineren Kinos im HDF, teil.

Die Verleiher haben derzeit jährlich ca. € 57.000.000,-- an Kosten für analoge Kopien.
Eine Umstellung hin zu digital wird in Deutschland mindestens 5 Jahre lang dauern, da einerseits auf dem Weltmarkt nur eine begrenzte Anzahl von Geräten zur Verfügung steht und andererseits es auch nur 4 Firmen in Deutschland gibt, die diese Technik einbauen können.
Nach der kompletten Umstellung werden sich die Kopienkosten auf Verleihseite auf ca. € 6.000.000,-- pro Jahr reduzieren.

Als die Technik ausgereift war, drängten die Verleiher auf die Umstellung.

In den Verhandlungsrunden waren wir dann kurz davor ein Finanzierungsmodell zu vereinbaren, dass dem größten Teil auch der kleinen Kinos eine Umstellung ermöglicht hätte.

Leider ist dieses Finanzierungsmodell im Frühjahr 2009 gescheitert.

Parallel zu der Finanzierungsfrage stellen sich viele weitere Fragen hinsichtlich des Umgangs mit den Rahmenbedingungen im Bereich der digitalen Kinozukunft.
Diese Rahmenbedinungen haben wir innerhalb des HDF zusammen mit Vertretern der Filmverleiher 2007 und 2008 innerhalb einer Arbeitsgruppe DCI-Technik erörtert, diskutiert und verschiedene Zukunftsthemen vorangetrieben. Diese AG wurde auf der Kinoseite von mir geleitet.

Die AG DCI Technik fand in 2008 dann ihren Abschluss in dem wir mit einer digitalen Roadshow in 9 Städten Deutschlands den anderen Kinobetrebern in einem 4-stündigen Seminar die digitale Zukunft näher gebracht haben.

Neben der Umstellung auf digitale Projektionen (optimales Bild und optimaler Ton) bietet das digitale Kino eine weitere Besonderheit:
Wenn man ein Kino auf "digital" umgestellt hat, kann man mit einer zusätzlichen Investition ausgewählte Filme in 3D in diesem Saal zeigen. Es gibt insgesamt 6 verschiedene 3D Verfahren, die in den deutschen Kinos zum Einsatz kommen werden. Alle sind von sehr hoher Qualität und stehen den bisher bekannten IMAX-Formaten in nichts nach.

Da ich mich in dieser zeit intensiv um den Bereich 3D im Kino kümmerte, hielt ich in diesem April beim Filmtheaterkongress in Baden Baden, vor ca 700 Kinobetreibern, einen einstündigen Vortrag zum Thema 3D im Kino.

Hier meine Beweggründe, warum ich bereits Ende Mai als erster Kinobetreiber eine Kino-Center mit drei Sälen, meine Kinos komplett auf digital umgestellt habe:

Für mich war klar, dass die Umstellung im Jahr 2009 massiv beginnen wird. Die Verleiher haben zwar zugesagt bis zum Ende der Umstellung noch analoge Kopien zur Verfügung zu stellen, aber wieviele Kopien das von Film zu Film sein werden, das kann heute niemand sagen.
Innerhalb der Umstellungsphase werden sicher zuerst die starken Kinos umgestellt werden. Das hat zur Folge, dass bei einem Film mit ca. 450 Kopien sehr bald nur noch 100 bis 150 analoge Kopien benötigt werden. Dann wird aber in Folge der geringeren Kopienzahl die einzelne Kopie für den Verleih wesentlich teurer werden. Sehr bald dürfte dann eine Kopie so teuer werden, dass sich ein Einsatz zum Bundesstart eines mittel starken Filmes in einer kleinen Stadt wie Nastätten dann aus wirtschaftlichen Gründen für den Verleih kaum möglich sein wird.

Um dieser wesentlich schlechteren Beleiferung aus dem Wege zu gehen, habe ich mich entschlossen so früh zu digitalisieren und direkt 3D mit zu installieren.

Dies hat jetzt zur Folge, dass Nastätten früher digital ist und dass wir zu dem als erste 3D-Filme präsentieren können.


Los ging es in 3D am 20.Mai 2009 mit MY BLOODY VALENTINE in 3D
(der erste Horrorfilm überhaupt, den es in 3D zu bewundern gab).

Bei uns in Nastätten war dies ein voller Erfolg. Super gute Besucherzahlen und was noch viel wichtiger ist: Ein echt begeistertes Publikum.

Danach folgten ICE AGE und im dezember 2009 dann AVATAR.

Neben der sehr erfolgreichen Präsentation von Filmen in 3D sind bei uns die Gäste vorallem auch von dem Qualitätsgewinn in Bereich der "normalen" 2D Filme begeistert.

 

Dies alles zusammen führt nun dazu, dass wie in Nastätten seit Juni 2009 weit aus größere Besucherzuwächse (auch in 2D) zu verzeichnen haben und ich kann schon heute feststellen, dass ich so den Bestand des "kleinen" Kinos in Nastätten auf Dauer sichern konnte.

DIGITAL 2K DLP - Das bedeutet: BESTE QUALITÄT IN SACHREN BILD UND TON!

Strahlende Kunden nach jeder Vorstellung bestätigen zur Zeit Tag täglich diese Aussage.

 

Ich freue mich, dass ich mit dieser zugegeben doch recht hohen Investition die Zukunft des Kinos in Nastätten sichern konnte, bin froh Ihnen in Zukunft die best mögliche Bild- und Ton-Qualität bieten zu können und hoffe viele von Ihnen finden den Weg zu uns ins Kino um Fiilme in 2D und in 3D zu erleben.

Und nun, gut sieben Jahre später ist klar, die damals eingebaute Technick wird bald ausgedient haben.

Neue Systeme stehen vor derTür. Zum einen Doppelprojektionen, die zusammen mit neuen Leinwänden mehr Licht im Bereich 3D garantieren und zum anderen gibt es erste Laser-Projektoren, die neben mehr Licht einen wesentlich besseren Schwarzwert und eine erheblich höhre Farbraumtiefe versprechen.

Zur Zeit ist diese Technik noch nicht bezahlbar. Aber mit der Startterminankündigung von JAMES CAERON`S AVATAR 2 im Dezember 2018, verbunden mit dessen Aussage: "Bei meinen neuen Filmen brauche ich mehr Licht und eine andere Farbraumtiefe", ist klar, dass dann der Laser in den deutschen Kinos wohl Einzug halten wird.

Sie können sicher sein, dass wir bereits heute Rücklagen bilden, um dann den ersten von insgesamt vier weiteren AVATAR-Teilen in best möglicher Qualität anbieten zu können.

 

Die Technik ist digital und wird sich im Compzuterzeitalter immer weiter entwickeln. Meine Hauptthese zum Thema Kino bleibt gleich.

Ich bin der Meinung:
Fernsehen heisst:
Film sehen.
Kino bedeuet: Den Film erleben.
Und dieses Erlebnis Kino möchten wir auch in den kommenden Jahren möglichst vielen von Ihnen ermöglichen.


Ihr / Euer ... Ralf Holl